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Die Tradition des ersten April wahrend, haben wir einen Bericht veröffentlicht, der die Stressbewältigung von Hunden in der Umwelt des 21. Jahrhunderts behandelt hat. 

Während die Beschreibung der Psychoanalyse für Blindenführhunde einigen Lesern als Stressbewältigung zurecht als absurd erschien, bleibt das Grundproblem bestehen: Die Ansprüche, die die heutige Gesellschaft und wir als Menschen an unsere Hunde stellen – und wie wir sie dabei unterstützen können.


Grosspudel liegt ruhig auf dem Sofa, rechts eine Katze, vor ihm sitzt sein Instruktor
Grosspudel liegt neben Katze auf dem Sofa



Zuerst ist es wichtig zu verstehen, dass Stress sowohl positiv, als auch negativ sein kann. Evolutionär gesehen hilft Stress zur Leistungssteigerung und kann unter Umständen das Leben retten. Doch dauernder Stress führt zu chronischen Beschwerden und permanenten psychischen Beeinträchtigungen, deren Behandlung mitunter Jahre dauern kann.

Gleichermassen wichtig ist die Erkenntnis, dass Stress ganz unterschiedlich erlebt wird. Während ein Hund sich am Bahnhof in einer Konfliktsituation befindet, ist ein anderer in keiner Weise belastet und döst zufrieden neben seinem Menschen. 

In erster Linie erlebt der Hund Stress physiologisch, das heisst durch Herzklopfen, Hecheln, Schuppenbildung, unterdrücktem Immunsystem und somit Anfälligkeit für Durchfall oder Erbrechen. Gleichzeitig entwickelt der Hund Bewältigungsstrategien um mit der Situation umzugehen. Spätestens, wenn er dadurch eine artuntypische Verhaltensproblematik zeigt, wie Dauerbellen, Gereiztheit oder verstärkte Ängstlichkeit, ist Hilfe gefragt.

Doch soweit sollte es gar nicht erst kommen. Leider können wir nicht alle Konfliktsituationen für unsere Hunde entfernen. Deshalb ist es wichtig Begebenheiten zu schaffen, die zu sicheren und ausgeglichenen Vierbeinern führen.

In den ersten Lebensmonaten sind zukünftige Blindenführhunde denselben Eindrücken ausgesetzt, wie jeder Familienhund: Um später selbstbewusst durch die Welt zu gehen, ist es notwendig ihm ebendiese von klein auf zu zeigen. Diese Sozialisierungsmomente sollten dabei nicht Stunden dauern, denn der Hund benötigt Schlaf um die Eindrücke zu verarbeiten. Deshalb sind bis ins hohe Alter Ruhe- und Regenerationsphasen durch den Tag elementare Voraussetzungen für Stressreduktion.

Struktur ist eine weitere Stütze für den Hund in einer für ihn teilweise unverständlichen Gesellschaft. Diese funktioniert mit Regeln und Konsequenz. Ein verlässlicher Rahmen, in dem sich der Hund frei bewegen kann, geben ihm Sicherheit. Für das Zusammenleben verschiedenster Lebewesen in sozialen Gruppen sind Regeln grundsätzlich notwendig. Einem Hund bieten sie Orientierung, wenn er unsicher ist. Dabei geht es nicht nur darum einem Hund zu zeigen, was er nicht darf, sondern eben auch, was er darf und er so die Gegebenheiten seiner Umwelt einschätzen und stressfrei bewältigen kann. Konsequenz bedeutet im Umgang mit dem Hund insbesondere Schlüssigkeit; das heisst, dass das eigene Handeln und die Folgen nachvollziehbar sein sollten und vor allem beständig. Unterschiedliche Reaktionen auf dasselbe Verhalten des Hundes irritieren und verunsichern ihn.

Als soziales Lebewesen sind für den Hund auch Kontakte für einen ausgeglichen Charakter äusserst wichtig. Einerseits zu seiner adoptieren Menschenfamilie, aber auch zu Artgenossen. Bei vielen Hunden führt eine unkoordinierte Zusammenführung in einem grossen Rudel nicht zur erwünschten Spielzeit, sondern zu Stress sich innerhalb der unterschiedlichen Interaktionen zurechtzufinden.

Im Junghundtraining beim VBM treffen Hunde unterschiedlicher Rassen und Alters aufeinander. Damit der schüchterne 15 Wochen alte Grosspudel nicht vom temperamentvollen 15 Monate alten Deutschen Schäferhund überrannt wird, findet die Spielzeit in passenden Zweier- oder Dreiergrüppchen statt, in denen sich die Hunde entsprechend ihrem Charakter ausleben können.

Ein weiterer Faktor ist die Gesundheit. Wenn der Hundekörper Infektionen, Durchfall oder Schmerzen erfährt, löst dies Stress aus. Tierärztliche Behandlungen bei physiologischen Veränderungen gehören zu einer korrekten Hundehaltung dazu. Leidet der Hund unter einer chronischen Erkrankung, dürfen Kontrollen zum Zustand und der Medikation nicht vernachlässigt werden. Aber auch Verhaltensauffälligkeiten können von Krankheiten herführen, so passieren Versäuberungsunfälle oft aufgrund einer unentdeckten Blasenentzündung.

Zur Gesundheit gehört auch Bewegung. In der heutigen Zeit liegt bei vielen Hunden eher ein Mangel vor, als eine Überforderung. Gemeinsame Spaziergänge mit Spiel und Spass und auf den Hund angepassten Sport stärken nicht nur den Körper, sondern auch die Bindung zu seinem Menschen und helfen bei der Stressbewältigung. Entspanntes Schnüffeln am Wegesrand fördert das innere Gleichgewicht und lüftet den Kopf.


Grosspudel schüttelt sich mit Kong im Maul, Wasserspritzer fliegen
Grosspudel im Spiel mit Kong



Deshalb gehört bei unseren Blindenführhunden in Ausbildung Spaziergänge und Spielzeit auf den Wochenplan. Ist ein Hund besonders bewegungsfreudig und konditionell gut aufgestellt, darf er unsere sportlichen Mitarbeiter auch beim Joggen oder Fahrradfahren begleiten.

Um den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Hunde gerecht zu werden, führen die Patenfamilien und später Blindenführhundeinstruktoren ein Tagebuch. Der Überblick hilft Verhaltensmuster und Kontext rechtzeitig zu erkennen und für langfristige Unterstützung des Hundes Verbesserungen auf ihn angepasst vorzunehmen. 

Letztendlich ist es irrelevant, ob Junghund oder Senior, Familienhund oder Blindenführhund: alle unsere vierbeinigen Begleiter sind am Ende Hunde, die sich in unserer Welt zurechtfinden müssen. Und mit Ruhe, Struktur, Bewegung und guter Gesundheit schaffen wir gute Voraussetzungen, dass ihnen das erfolgreich gelingt.


Grosspudel rennt im vollen Galopp frontal auf die Kamera zu
Grosspudel rennt mit wehenden Ohren
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