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Es ist seine flexible Anpassungsfähigkeit, die den Hund als treuen Begleiter durch die Menschheitsgeschichte selektiert hat. Mit der Entwicklung zur modernen Welt übernahm der Hund eine immer weitreichendere Vielfalt an Aufgaben: Hütehund für Vieh, Wachhund für Fabrike und Gewerbe, Kutschenbegleithund auf dem Weg zum Markt, Militäreinsätze an vorderster Front, Mobilitätshilfe für sehbehinderte und blinde Menschen.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Menschheit weit weg von ihren Wurzeln als ehemalige Nomaden bewegt hat – und mir ihr der Hund. Alle Ansprüche der gesellschaftlichen Integration auf engstem Raum und angemessenem Sozialverhalten an den Menschen werden parallel auch vom Hund verlangt. Er wird mit denselben Umweltreizen konfrontiert, jedoch ohne den Kontext kognitiv erfassen zu können.

An den Hund von heute werden sogar widersprüchliche Anforderungen gestellt: Er soll sich sozial mit Menschen und anderen Hunden zeigen, dann aber wiederum Stunden alleine sein können. Er soll nicht unangenehm – oder arttypisch – auffallen, danach beim Spiel jedoch ganz Hund sein. Blindenführhunde lernen einen weiteren Widerspruch kennen. Einerseits wird von ihnen ein guter Grundgehorsam und die Akzeptanz menschlicher Führung erwartet, andererseits selbständige Führarbeit im Geschirr und bewusster Ungehorsam. 

All diese Anforderungen üben Stress auf den Hund aus. Die gesammelten Eindrücke, Gehorsamkeit und Selbstbeherrschung verlangen viel Konzentration und Disziplin vom Hund – ganz gleich, ob Familienhund oder Sozialhund. 

Blindenführhunde in Ausbildung, die ganz offensichtlich Mühe damit haben und sich auch mit geduldiger und spielerischer Gewöhnung nicht in ihrer Rolle finden, werden aus dem Programm entlassen. Nur ein glücklicher und ausgeglichener Hund leistet gute, und somit sichere, Führarbeit. Als Ausbildungsstätte obliegt uns die Verantwortung um das Wohl der Hunde und wir nehmen sie ernst.

Doch auch die geeigneten und selbstbewussten Blindenführhunde in Ausbildung erleben durch die zunehmende Menschendichte und Lärm, die erhöhten Anforderungen und die Komplexität ihrer Aufgabe psychischen Druck. Um dem entgegenzuwirken und die Hunde in ihrer Stressbewältigung zu unterstützen, folgt der VBM neuerdings einem neuartigen Konzept aus den USA: Psychoanalyse für Blindenführhunde.

Einmal pro Woche werden Blindenführhunde in Ausbildung für eine 45-minütige Session einzeln in einen hellen Raum auf ein Sofa gebeten. Ein speziell geschulter Blindenführhundeinstruktor führt den Hund dabei durch eine Kombination des diagnostischen Erstgespräches und der freien Assoziation. Dass das Erstgespräch wiederholt wird, liegt daran, dass Hunde im hier und jetzt leben und sich selten an den Austausch der vorangegangenen Woche erinnern.

Die Psychoanalyse stellt aufgrund der verschiedenen Rassen den behandelnden Blindenführhundeinstruktor vor eine grosse Herausforderung.


Grundlegend wird der Hund ermutigt sich natürlich und ungehemmt zu verhalten, und dabei regelmässig Augenkontakt aufzunehmen. Anhand der täglichen Notizen über das Verhalten des Hundes in der Ausbildung und mit einer genauen Beobachtungsgabe während der Session erlangt der Instruktor Kenntnisse über die zu behandelnde Problematik und verschreibt eine entsprechende Kräutermischung oder korrigiert die bestehende in eine neue Richtung.

Die Psychoanalyse stellt aufgrund der verschiedenen Rassen den behandelnden Blindenführhundeinstruktor vor eine grosse Herausforderung. Während Deutsche Schäferhunde zwar gerne Augenkontakt aufnehmen, sind sie besonders während der ersten Gespräche ziemlich gehemmt. Der Labrador Retriever hat dagegen mit natürlichem Verhalten kein Problem, zeigt sich dafür eher unkonzentriert und hat die Neigung den Raum nach Futter zu untersuchen.

Der Grosspudel ist ein ganz hartnäckiger Fall, denn trotz beständiger Kontaktsuche geben sie nur wenig preis. In J.K. Rowlings Harry Potter wären Grosspudel begabte Okklumentiker.

Wenngleich die Aufgabe der Psychoanalyse für Blindenführhunde keine einfache ist, zeigt sie bereits erste Wirkung: Einmal pro Woche 45 Minuten theoretischer Austausch und Futterzusätze reichen, um stressgeplagte Hunde an die heutige Gesellschaft und die Erwartungen anzupassen.


Harlekingrosspudel liegt auf dem Sofa, Blindenführhundeinstruktorin sitzt vor ihm mit Klemmbrett.
Harlekingrosspudel, bei seiner wöchentlichen Sitzung
Harlekingrosspudel von oben fotografiert mit Augenkontakt zu der Blindenführhundeinstruktorin.
Harlekingrosspudel, bei seiner wöchentlichen Sitzung
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