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VBM Liestal
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Der Beginn

Es existierten in den Jahren danach drei Blindenführhundeschulen in Deutschland und nachdem mehrere Hundert Armeeangehörige mit Blindenführhunden versorgt waren, kamen auch langsam blinde Zivilpersonen in den Besitz dieser Hunde.

Die ersten Schritte zur Entwicklung es Blindenführhundewesens wurden 1893 mit der Gründung des Vereins für Sanitätshunde in Deutschland gemacht. Hatten diese Hunde im ersten Weltkrieg erfolgreich Tausenden das Leben gerettet, begann noch vor Ende dieses verheerenden Krieges 1916 die Ausbildung von Blindenführhunden, die den Soldaten, welche an der Front erblindeten, nach ihrer Rückkehr zur Verfügung standen.

Doch in den Zwanzigerjahren nahm das Interesse für den Einsatz und die Blindenführhunde immer mehr ab. Am Schluss war nur noch eine Blindenführhundeschule übrig.


Die Frau der ersten Stunde

Ebendiese letzte Schule wurde 1927 von einer jungen Amerikanerin namens Dorothy Harrison Eustis besucht. In Vevey in der Schweiz betrieb sie erfolgreich eine Zucht- und Ausbildungsstätte für Gebrauchshunde und gab ihre Zöglinge auch als Schutzhunde an die Schweizer Armee ab.

Nach ihrer Rückkehr veröffentlichte am 5. November 1927 Eustis ihre Eindrücke dieser letzten Blindenführhundeschule ihrer Zeit in The Saturday Evening Post. Ihr Artikel stiess auf grosses Interesse und sie erhielt Unmengen an Leserbriefen. Ein Mann aus den USA, Morris Frank, hinterliess einen bleibenden Eindruck.

Im folgenden Jahr besuchte Morris Eustis in Vevey und traf auf seine erste Blindenführhündin: Buddy.  Die erste Blindenführhündin der Schweiz.

Schon im Sommer 1928 kehrte er mit ihr zurück und auch Eustis folgte ihm in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie die noch heute bestehende Organisation Seeing Eye gründete.

Einer der Fachkenner, die nicht nur Eustis Lücke füllten, sondern auch verhinderten, dass die in Deutschland erarbeiteten Erkenntisse in der Blindenführhundeausbildung beim Zusammenbruch des Dritten reiches 1945 nicht verloren gingen, war Walter Hantke.

Mit der theoretischen und praktischen Arbeit vertraut, kannte er die Ausbildungsmethoden, welche vom Institut für Umweltforschung in Hamburg in den Zwanzigerjahren wissenschaftlich weiterentwickelt wurden. In Deutschland erhielt er an der Heeresführhundeschule das Blindenführhundetrainer-Diplom.


Der Gründer des Blindenführhundewesens

Als Cheftrainer sollte er 1949 auf die Schweizer Kynologin Anna Auer treffen, welche einen grossen Einfluss auf das Blindenführhundewesen in der Schweiz hatte: nach ausbildungsbedingten Auslandsaufenthalten traf sie als 70-jährige Walter H. Rupp, der zukünftige Gründer des Verein für Blindenhunde und Mobilitätshilfen.

Rupp, der sich seit seiner frühsten Jugend mit dem Lernvermögen der Hunde befasste, kam als Schüler von Auer in den Genuss der tradionellen Ausbildungsmethoden aus Deutschland. Überdies erliess Hantke Rupp ebenso seine wissenschaftlichen Unterlagen und blieb lange Jahre ein geschätzter Kollege, mit welchen er sich über die theoretischen und praktischen Aspekte der Blindenführhundeausbildung austauschen konnte.

Sein Lehrjahr verbrachte Rupp in Basel, neben Nachtarbeit und seiner grossen Familie, bis er am Ende mit der Mischlingshündin Duco seine Abschlussprüfung während zwei Stunden in Basel absolvierte.
Da simulierte Blindheit für einen Sehenden überaus anstrengend ist und Rupp damals nur wenig Übung hatte, fiel das Urteil der von Auer entsprechend knapp aus:

Der Hund war gut, Sie nicht.


Erfolge und Rückschläge

Trotzdem, er war nun Ausbilder und begann in Allschwil mit dem Aufbau der ersten Blindenführhundeschule der Schweiz. Finanzielle Schwierigkeiten und langatmige Behörden prägten die ersten Schritte, unter anderem auch, weil Rupp Blindenführhunde erst als Nebenarbeit ausbildete.

Nach einem Rekurs des ersten zukünftigen Führhundehalters übernahm das Bundesamt für Sozialversicherung die Kosten für seinen Blindenführhund. Im Jahre 1965 boten sie Rupp sogar einen Tarifvertrag an. Unter dem Aspekt, dass bis anhin Blindenführhunde aus dem Ausland bezogen wurden, war dies ein Zeichen grosser Toleranz.

Wenige Jahre später. 1970, wurde ihm dann auch die Bezeichnung Erste Schweizerische Schule für Blindenführhunde zugestanden. Diese Erfolge verdankte er auch dem damals bestehenden Schweizerischen Blindenbundes, der von Anfang an Rupps Ausbildungsstätte unterstützte.

Zwei Jahre später übergab er seine Blindenführhundeschule einer Stiftung wurde dort nach Unstimmigkeiten und einer knappen Mehrheit des Stiftungsrates als Schulleiter enthoben, ihm ein Berufsverbot in der Schweiz auferlegt und das Urheberrecht für sein in seiner privaten Zeit geschriebenes Buch über Familienhunde entzogen.


Die Geburt des VBM

Doch Rupp, dem in wenigen Tagen sein Lebenswerk genommen wurde, nutzte die Karenzzeit und begab sich nach England, um sich dort der Weiterbildung über die Ausbildung von Blindenführhunden und der Infrastrukturen der Ausbildungsstätten zu widmen.

Er entwickelte seine eigene Ausbildungsmethodik und beschrieb diese im Buch Der Blindenhund – Die neue Ausbildungsmethode. Sein Werk wurde der Standard für das Blindenführhundewesen in der Schweiz und auch von seiner ehemaligen Schule anerkannt und als Leitfaden gebraucht.

Nach 13 Jahren war er wieder in der Schweiz und gründete 1986 den Verein für Blindenhunde und Mobilitätshilfen VBM.

Unterstützung erhielt er von Stiftungsräten, die 1972 überstimmt wurden und die zweite Ausbildungsstätte der Schweiz wurde erbaut.


1986 bis 1996


International Guide Dog Federation

Gleichzeitig im Gründungsjahr des VBM trafen sich 28 Delegierte von 15 Blindenführhundeschulen aus zehn Ländern um die Unterlagen der Wiener Arbeitsgruppe, einem Zusammenschluss verschiedener Vertreter europäischer Blindenführhundeschulen von 1983, zu prüfen und die nächsten Schritte zu einem Dachverband der Blindenführhundeschulen in Europa zu einzuleiten.

Bereits ein Jahr später wurde bei einer internationalen Konferenz mit nunmehr 40 Delegierten von 25 Blindenführhundeschulen aus 16 Ländern die von Notaren vorbereiteten Dokumente unterzeichnet und die International Provisional Council for Guide Dog Schools for the Blind, später International Guide Dog Federation IGDF gegründet.

Als Vertreter der Schweiz und Mitbegründer war von Beginn an Vollmitglied der IGDF und in der internationalen Zusammenarbeit und Austausch involviert.

Um der steigenden Nachfrage für Blindenführhunde und damit den neuen Ausbildungsstätten eine Richtlinie zu geben und gleichzeitig für einen gemeinsamen Standard zu sorgen, besuchte die IGDF ab 1992 regelmässig die Blindenführhundeschulen und prüfte sie auf deren Werte und Rahmenbedingungen.

Ausserdem dient sie als Plattform für Hilfestellungen, Hunde und die Möglichkeit Personal zu Weiterbildungen und Aufbauarbeiten an andere europäische Schulen zu senden.


Die ersten Hunde

1986 ist das Gründungsjahr des Vereins für Blindenhunde und Mobilitätshilfen VBM. Damals war das Blindenführhundewesen in der Schweiz noch jung und es gab keine einheitliche Regelung zur Ausbildung oder Finanzierung mit dem Bundesamt für Sozialversicherung BSV.

Erst später wurde der VBM mit anderen Vertragslieferanten gleichgestellt und ein Tarifvertrag vereinbart, bei welchem die BSV 50 Prozent der damals effektiven Kosten deckte: nämlich pro Hund 21’700.00 SFr.

Andere Anlaufpartner für Gesuche zur Finanzierung von Blindenführhunden waren die Stiftung BILF, gegründet von Walter H. Rupp, die in den darauffolgenden Jahren jedoch aufgelöst wurde und die Fondation en faveur des Aveugles FFA.

Als der VBM als Verein für Blindenhunde und Mobilitätshilfen – Internationale Fachstelle für die Ausbildung von Blindenhunden IFAB am 12. Juli 1986 in Muttenz gegründet wurde, ging es vorerst darum die dringlichsten Nachfragen nach Blindenführhunden zu befriedigen.

Die ersten Hunde wurden von der Guide Dogs for the Blind Association in England erworben, während zwei weitere Hunde von der englischen Führhundeschule in Leamington Spa gekauft und noch im selben Monat bei zwei blinden Führhundehaltern eingeführt wurden.

Die Königliche Führhundeschule in Holland schenkte zwei vorausgebildete Hunde.

Am 27. Oktober 1986, drei Monate nach der Gründung, kam die erste Hündin, ein Deutscher Schäferhund, des VBM in Einsatz. Geboren am 2. Januar 1985 ist sie offiziell die älteste Blindenführhündin.

Um sich von der bereits existierenden Blindenhundeschule in Allschwil abzugrenzen und den blinden und sehbehinderten Interessenten vielfältigere Hunde anzubieten, entschied sich der VBM für ein Konzept mit freier Rassenwahl.

Um junge Hunde im Ausbildungsalter zu finden und im Hinblick auf eine langfristige Zusammenarbeit wurde früh Kontakt mit seriösen Züchtern aufgenommen, vornehmlich Züchtern von Labrador Retrievern, Deutschen Schäferhunden und Airedale Terrier.

Das Konzept einer eigenen Zucht wurde bereits zu Beginn abgelehnt, in Hinsicht darauf, dass dies eine zu grosse finanzielle und personelle Belastung für die kleine Schule bedeutet.

Dank der internationalen Zusammenarbeit und den ersten Kontakten mit den Züchtern sind in der 1. Tätigkeitsperiode von der Gründung bis zum 31. Dezember 1987 insgesamt 13 Hunde abgegeben worden, darunter sogar Gordon Setter und zwei Bouvier de Flandre, ein Verwandter des Riesenschnauzers.

Bald nach der Gründung wurde der VBM von der Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft als Institution mit gemeinnütziger Zweckbestimmung von Staats- und Gemeindesteuer, sowie der Erbschafts- und Schenkungssteuer befreit.


Der VBM wächst

Um der Schule mehr Bekanntheit zu verschaffen und aufgrund der notwendigen Unterstützung durch Spenden war Werbung und eine regelmässiger Austausch für die Öffentlichkeitsarbeit mit anderen Institutionen im Blindanwesen notwendig. Noch waren Blindenführhunde wenig verbreitet und stiessen so auf natürliches Interesse in der Bevölkerung, so dass Journalisten selber den Kontakt suchten, um darüber zu berichten.

In den kommenden Jahren leistete der VBM grosse öffentliche Arbeit, sowohl bei medialen Auftritten, als auch als Gast bei der BEA Bern oder bei der Organisation des Internationalen Tag des Blindenführhundes. Der Aufwand zeigte Wirkung, die Mitgliederzahlen stiegen stetig an.

Innerhalb der ersten Tätigkeitsperiode meldeten sich bereits die ersten Bewerber für die Ausbildung zum Blindenführhundeinstruktor. Eine Erweiterung des Personalbestandes war dringlich, um gleichzeitig Junghundtrainer rekrutieren und ein Netzwerk aufbauen zu können, in der Hoffnung dass eine frühzeitige Förderung der Hunde die Qualität steigert und gleichzeitig die Kosten verringert.

Bereits 1996, nach zehn Jahren, waren fünf Blindenführhundeinstruktoren angestellt, davon drei Lehrlinge, sowie zwei Mitarbeitende für das Sekretariat und die Spendenverwaltung beschäftigt.

Damals setzte der VBM auf ein dezentrales Konzept von flächendeckenden Zweigstellen um eine schnelle und effiziente Expansion zu erreichen. Der Gefahr der Isolierung der einzelnen Standorte bewusst, fanden sich die Instruktoren regelmässig im Hauptsitz, der im Laufe der Jahre nach Magen verlegt wurde, zusammen.

Jeder der Blindenführhundeausbildner, gleichwohl in der Lehre oder vollwertig im Beruf stehend, deckte einen Teil der Schweiz ab, aufgeteilt in die Nordwestschweiz, Ost- und Zentralschweiz, das Graubünden und Tessin und die französisch sprechende Schweiz, insbesondere die Genfer Region.


1996 bis 2006


Ein Land, vier Blindenführhundeschulen

Nach den ersten zehn Jahren des Aufbaus des Verein für Blindenhunde und Mobilitätshilfen VBM, wurde in den folgenden Jahren zunächst weiterhin grosse Öffentlichkeitsarbeit geleistet, wie die Teilnahme am regionalen Ferienspass und Besuche in Schulklassen.

Grössere Anlässe, wie die Vertretung an der BEA Bern verursachten durch das neue Lohnsystem und mit nunmehr fünf fertig ausgebildeten Blindenführhundeinstruktoren trotz grosser freiwilliger Hilfe hohe Kosten. Nachdem auch die Besucherzahl leicht zurück ging, reduzierte der VBM seine Einsätze, die Spenden und Mitgliederzahlen blieben zunächst stabil.

Doch mittlerweile gibt es in der Schweiz vier Blindenführhundeschulen. Neben der Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde in Allschwil wurde in den letzten Jahren auch die Fondation romande pour chien guides d’aveugles in Brenles und die Stiftung Ostschweizerische Blindenführhundeschule in Goldach gegründet. Der Markt und die Bedürfnisse waren langsam von schweizerischen Schulen gedeckt.

Erwähnenswert ist, dass die Mehrheit der Gründer dieser Schulen von Walter H. Rupp, dem Begründer des Führhundewesens in der Schweiz, ausgebildet wurden. Eine weitere Lernende von Rupp gründete die Schule in Radolfzell am Bodensee.


Neuigkeiten werden eingeführt

Im Rahmen der Blindenführhundeausbildung entwarf der VBM intern das sogenannte Junghund-Journal. Dabei handelt es sich um ein Tagebuch, welches die Entwicklung des Junghundes festhielt, damit Probleme früher erkannt und behoben werden konnten und der Blindenführhundeinstruktor bei Übernahme eine Übersicht der Aufzucht bekam.

Die bisherigen gesundheitlichen Untersuchungen wurden 2000 um zweimal im Junghundtraining stattfindende neurologische und orthopädische Untersuchungen ergänzt.

Eine weitere Neuheit fand sich bei den jährlich stattfindenden Weiterbildungsseminaren für Gespanne: 2002 wurde auf Initiative zweier Rührhundehalter zum ersten Mal ein mehrtägiges Wanderseminar mit Selbstversorgung durchgeführt und aufgrund den positiven Rückmeldungen über Jahre beibehalten.


Die Welt in der Lenk

2003 äusserte die Dachorganisation der Blindenführhundeschulen, die International Guide Dog Federation IGDF den Vorschlag das zweijährliche Weiterbildungsseminar in der Schweiz abzuhalten, denn im Jahre 2004 feierte Seeing Eyes das 75-jährige Bestehen. Seeing Eyes wurde durch Frank Morris gegründet, nachdem er mit seiner Buddy, nach Amerika zurückkehrte.

Aus diesem Anlass fand das Seminar der IGDF vom 27. bis 30. Mai 2004 in der Lenk in der Schweiz statt. 200 Delegierten sämtlicher Blindenführhundeschulen aus der ganzen Welt traffen sich in Lenk im Simmental. Für die Organisation und Durchführung dieses Anlasses war der VBM verantwortlich. Der Anlass wurde ein voller Erfolg.


Über die Grenzen hinaus

Im europäischen Ausland sah die Situation teilweise anders aus, Slowenien und Griechenland hatten noch keine Ausbildungsstätten.

2001 kontaktierte eine enthusiastische Hundetrainerin aus Griechenland mit dem Wunsch den VBM zu besuchen und die Problematik in ihrem Heimatland zu verbessern, nachdem ähnliche Projekte kaum Unterstützung der Regierung erhielten. Aus dem Besuch wurde eine Lehre, die jedoch nach zwei Jahren wegen Konflikten kurzzeitig unterbrochen werden musste.

Im Zuge des letzten Lehrjahres wurde dann eine Blindenführhündin für den VBM und eine Hündin für die heutige Präsidentin der neu gegründeten griechischen Schule ausgebildet.

Doch die Weltwirtschaftskrise und später die Flüchtlingskrise stürzte Griechenland in eine prekäre Lage, so dass die Schule noch immer auf wackeligen Füssen steht und die Ausbildung von Blindenführhunden vor enorme Schwierigkeiten stellt.


Eine spezielle Prüfung und der Tarifvertrag wird verlängert

Im Zuge der Optimierung und zur Qualitätssicherung wurde am 27. Mai 1998 die erste Prüfung Ende Ausbildung eines zukünftigen Blindenführhundes durch einen unabhängigen IV-Experten durchgeführt, anstelle wie in früheren Zeiten durch speziell ausgebildete Führhundehalter. Die Prüfung fand in einem für Ausbilder und Hund fremden Gebiet statt, wobei der Schwierigkeitsgrad als zu einfach bemängelt wurde.

Der damalige Schulleiter des VBM, Hansjörg Adler, trat seinerseits die Prüfung mit einem Hund an, der keinerlei Blindenführhundeausbildung erhalten hatte – und bestand! Folglich verbesserten sich die Prüfungsbedingungen in den kommenden Jahren, bis sich die Prüfung Ende Ausbildung in ihrer heutigen Form durchsetzte.

Neben den Bedingungen stiessen auch die Schulungen der IV-Experten auf Kritik, da deren Kosten von den Ausbildungsstätten in der Schweiz getragen werden. Ein nicht unerheblicher Posten für soziale Institutionen.

Neben den IV-Experten fand im Jahr 1999 auch der Tarifvertrag mit den vier Blindenführhundeschulen die bislang grösste Änderung. In den bisherigen Jahren kaufte das Bundesamt für Sozialversicherung BSV die Hunde nach der Gespannsprüfung von Führhundehalter mit seinem Hund den Ausbildungsstätten ab, so dass die Hunde sich im Besitz des BSV befanden.

Der neue Vorschlag befasste sich damit die Hunde zu mieten und nicht weiter zu kaufen. Damit blieben die Hunde im Besitz jeder jeweiligen der Schulen, eine Entwicklung, die ermöglichte Blindenführhunde bei unlösbaren Problemen und schlechter Haltung zurückzunehmen und effektiver zu schützen. Auch die Rechtssituation veränderte sich, denn da das BSV nicht mehr involviert war, musste nun statt dem öffentlich-rechtlichen der privat-rechtliche Weg beschritten werden.

Die neue Regelung wurde einstimmig angenommen und trat am 1. Februar 2000 in Kraft – und brachte den VBM in eine finanzielle Krisensituation.

Bis anhin war für jeden Hund nach bestandener Probezeit ein monetärer Betrag garantiert, mit der Mietumstellung von 350.00 SFr. pro Monat für Hunde mit Stammbaum und 290.00 SFr. für Hunde ohne Stammbaum entstand eine finanzielle Lücke, die der VBM erst nach Jahren der Umstellungsperiode schliessen konnte.

Da die Miete auch nur für die Einsatzdauer eines Hundes entrichtet wird, bleibt das finanzielle Risiko eines unverschuldeten, vorzeitigen Ausschluss des Blindenführhundes aus gesundheitlichen oder Verhaltensgründen bei der Ausbildungsstätte.

Für die Führhundehalter wurde ebenfalls ein monatliches Entgelt eingeführt: Hundegeld für die täglichen Ausgaben, Futtergeld für die Ernährung und einen Beitrag zu Tierarztkosten.

Dazu kam ein grosser Spendenrückgang infolge der US-Wirtschaftskrise nach dem 11. September 2001, so dass 2002, 16 Jahre nach der Gründung des VBM, die Weiterführung und das Überleben ernstlich in Frage stand. Nur mit viel Disziplin und einem realistischem und konsequenten Budget waren die folgenden Jahre zu überstehen.

Eine Erleichterung war als 2004 das BSV das monatlichen Entgelt auch für Hunde ohne Stammbaum auf 350.00 SFr. anhob, wenngleich rückwirkend keine Ansprüche gemacht werden konnten.


2006 bis heute


Vom Exot zum diplomierten Beruf

Anfang 2006 hielten die Blindenführhundeschulen eine Sitzung mit dem Ziel, dass das Berufsbild des Blindenführhundeinstruktors von Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT anerkannt und der Schweizerischer Zentralverband für das Blindenwesen SZB als Dachverband eingesetzt wird.

Diese Anstrengung wird von der International Guide Dog Federation IGDF mitgetragen, ein Konzept zu erarbeiten um eine Vereinheitlichung des Berufes zu erreichen.

Anstoss dafür waren ein vermehrtes Auftreten von privaten Ausbildern, welche Blindenführhunde an sehbehinderte und blinde Klienten ohne Qualitätssicherung über die Gesundheit oder Nachbetreuung verkauften. Jede seriös arbeitende Schule wusste von der Existenz mangelhaften Einrichtungen, die sich Führhundeschulen nannten und die mit nicht fachgerechten Arbeit dem Ansehen des Führhundewesens und letztendlich sogar den mit schlecht ausgebildeten Hunden versehenden blinden Menschen Schaden zufügten.

Wenige Jahre nach dem Entschluss begannen die ersten Bemühung zu einem gemeinsamen Schullehrplan als Grundlage zum eidgenössisch diplomierten Blindenführhundeinstruktor. Da die Ausbildungsmethoden, sowie Konzepte zu unterschiedlich waren, schien eine Zusammenarbeit zur Erarbeitung eines gemeinsamen Schullehrplans unmöglich. Daraus resultierend wurde die erste Prüfung schwerfällig und wenig strukturiert.

Aus den Erkenntnissen wurde in verbesserter Kooperation die Prüfung neu entwickelt, auch wenn der Schullehrplan Sache der jeweiligen Schule verbleibt. 2015 erhielt dann Sven Bürgin vom VBM nach bestandener Prüfung als erster den Titel des eidgenössisch diplomierten Blindenführhundeinstruktors, im darauffolgenden Jahr fanden die nächsten Prüfungen statt.


Ausländischer Austausch

Eine aus der Vergangenheit entstandene Beziehung mit einer Therapiehundeausbildnerin aus Slowenien intensivierte sich und im gegenseitigen Interesse zum internationalen Austausch gebrachte der VBM mit zehn Führhundehaltern und sieben Begleitern eine Woche in Slowenien.

Aus diesem Ausflug entstand der Entschluss zwischen dem Gastgeber Tacke Pomagacke und dem Schulleiter eine Auszubildende von Slowenien in die Schweiz zu schicken, um mit den hiesig erworbenen Qualifikationen den Aufbau einer Schule nach ihrer Rückkehr voranzutreiben.

Doch leider stockte das Projekt kurz nach beendeter Ausbildung und musste zur Enttäuschung alle Beteiligten abgebrochen werden.

Durch die Zusammenarbeit mit der IGDF als Assessor entwickelte sich der Kontakt zu einer der grössten Ausbildungsstätten weltweit, der Guide Dogs for the Blind in Kalifornien, USA. Da der VBM einen guten Ruf im Ausland geniesst und das Konzept der Rassenwahl nicht überall geläufig war, entsandten sie 2008 eine Blindenführhundeinstruktorin für ein Jahr in die Schweiz um die Arbeitsmethodik einer kleineren Schule kennenzulernen.


Das Weideli Seminarzentrum

Neben den Ausbildungsmethoden war auch die Aufhebung des Konzepts der Dezentralisierung ein grosser Schnitt in der Geschichte des VBM.

2003 erhielt der VBM eine Landschenkung in Liestal mit der Auflage ein Gebäude zur Ausbildung von Blindenführhunden zu erstellen. Da dieses Projekt jedoch nicht von Spendengeldern finanziert werden durfte, konnte es zunächst nicht realisiert werden. Dank einer äusserst grosszügigen Spende einer Stiftung begann der Bau doch noch wenige Jahre später und schon 2009 konnte der VBM seinen Hauptsitz mit Büro von Magden nach Liestal verlegen.

Während die eingesessenen Blindenführhundeinstruktorin ihren Sitz und Zweigstelle an ihrem Wohnort beibehielten, zog der Nachwuchs mit ins Baselland um täglich gemeinsam zu arbeiten und die Informations- und Organisationswege kurz zu halten.

Leider erwies sich die Vision vom Weideli als Ferienziel für visuell eingeschränkte Gäste schnell als nicht rentabel, denn während die Infrastruktur für Hundehalter zwar attraktiv war und das Gebäude komplett behindertengerecht gebaut und eingerichtet, wurde die Attraktivität des Ortes überschätzt und der personelle Aufwand unterschätzt.

Nach dem Schulleiterwechsel 2012 korrigierte die neue Geschäftsleitung die Zielgruppe für die Seminarräumlichkeiten und Hotelzimmer und fand mit der Akademie für Tiernaturheilkunde, einem Fernstudium für Tierpsychologie und -Trainer, den ersten Interessenten.

Mit den Mantrailer der Schweizer Polizei, SKN Kursen und Tierkommunikation, sowie Dog Dancing, fanden sich vor allem hunderelevante Mieter, die die optimale Lage an Waldnähe und in kurzer Entfernung zum Bahnhof Liestal, sowie den tierfreundlichen Umschwung zu schätzen wissen und ihre Seminare weitgehend selbständig, aber mit moderner Infrastruktur durchführen. Innert weniger Jahre ist es gelungen die finanzielle Situation des Weideli zu restaurieren.

Neben den tierischen Gästen beherbergt das Weideli auch eine Werkstatt, versteckt in der Kapelle, in welcher seit Beginn die CREA-Gruppe, ein Zusammenschluss sehbehinderter und blinder Frauen und Männer, Handwerkskunst aus verschiedenen Materialien anfertigen und im Hauptgebäude regelmässig therapeutische Sportübungen gemeinsam durchführen.


Eine neue Ausbildungsmethode taucht auf

Die Guide Dogs for the Blind in den USA arbeitete zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre mit Clicker, einer Ausbildungsmethode, die auf positive Bestärkung basiert, anstatt bis anhin auf hauptsächlich negativer Bestärkung durch Druck und Gegendruck.

Dank Michèle Pouliot, Direktorin für Forschung und Entwicklung, wurde die neue Ausbildungsmethode über die IGDF an internationale Ausbildungsstätten getragen. Während die ersten Vorträge noch auf grosse Skepsis stiessen, fanden sich nur zwei Jahre später bei dem folgenden IGDF Seminar eine Mehrzahl an Praktizierenden.

2013 ermöglichte der VBM allen damals arbeitenden Instruktoren und Lehrlingen die Möglichkeit an einem mehrtätigem Clickerseminar teilzunehmen und einen ersten Einblick zu erhalten. Die Umstellung der Ausbildungsmethode seit vielen Jahrzehnten ergriff die europäischen Schulen wie eine Welle, denn die Ergebnisse sprechen für sich: nicht nur lernen die Hunde motivierter und einfacher, auch die Durchfallquote sank.

Im Laufe der kommenden Jahre legte der VBM Wert den Clicker darauf zu integrieren und organisierte weitere Weiterbildungen. Das dadurch erstandene Wissen um die korrekte Ausführung der Technik wurde in internen Schulungen vertieft und geübt.

Nur drei Jahre nach dem ersten Kontakt mit Clicker organisierte der VBM selbst mit Doris Vaterlaus, Praktizierende der ersten Stunde in der Schweiz, zwei Clickerseminare: jeweils zwei zweitägige Workshops für Blindenführhundeinstruktoren aus ganz Europa und Hundeausbilder allgemein.

Als Gastgeber ermöglichte diese erfolgreiche Erfahrung dem VBM das internationale Netzwerk zu festigen und kurz darauf den ersten Lehrling für ein Praktikum an eine schwedische Blindenführhundeschule zu senden.


Die Zukunft

In den letzten Jahren hat der Verein für Blindenhunde und Mobilitätshilfen in kurzer Zeit grosse Umstellungen erfolgreich bewältigt. Für die Zukunft sieht er eine Vertiefung und Festigung der neuen Ausbildungsmethode Clicker vor und eine weiterhin enge Zusammenarbeit mit internationalen Blindenführhundeschulen.

Viel Arbeit wird auch weiterhin in die Entwicklung eines qualitativ hochstehenden Schullehrplans investiert, um den zukünftigen Instruktoren eine sorgfältige und anerkannte Ausbildung zu gewährleisten. Die Rassenvielfalt bleibt als erfolgreiches Konzept auch in Zukunft bestehen.

Das Weideli wird die Kapazität erhöhen und mehr hunde- oder anderweitig tierrelevante Seminare bei sich begrüssen.

Ein nicht zu unterschätzender Bereich, welcher wie ein roter Faden durch die letzten 30 Jahre führt, ist die Unterstützung von aussen. Von freiwilligen Helfern und Junghundtrainern über Gönner und Spender zu Legaten ist der VBM auch 2016 und in Zukunft auf Spendengelder angewiesen um den Zweck weiter zu erfüllen und Blindenführhunde auszubilden, die sehbehinderten und blinden Menschen ihre Mobilität wieder geben und damit ein Stück Lebensqualität.

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